Hildesheimer Netzwerk für Radikalisierungsprävention

Eine Radikalisierung von (meist jungen) Menschen ist eine prozesshafte Entwicklung, bei der die Sozialisationsfaktoren vor Ort eine wichtige Rolle spielen. Wirksame Präventionsmaßnahmen müssen darum auch lokal verortet sein und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigen.

Deshalb haben sich einige zivilgesellschaftliche und staatliche Akteur*innen, die im Feld der Radikalisierungsprävention arbeiten, zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Sie kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen – aus der Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung – und haben sich auf eine wertschätzende und zielorientierte Kooperation verständigt.

Ausgangspunkt für die Gründung des Netzwerkes für Stadt- und Landkreis Hildesheim war die Feststellung, dass es bereits eine Vielzahl an Präventionsangeboten vor Ort gibt, diese aber nur unzureichend miteinander vernetzt sind. Auch existiert eine breite niedersächsische Präventionslandschaft, die Menschen auf lokaler Ebene nicht immer bekannt ist oder schwer erreichbar scheint.

Erklärtes Ziel ist es daher, die lokalen Angebote untereinander sowie mit den überregionalen Angeboten besser zu vernetzen, um so einen zielgerichteten Wissens- und Kompetenztransfer zu ermöglichen. 

Das Hildesheimer Netzwerk für Radikalisierungsprävention begreift sich explizit als ein „offenes“ Netzwerk, d. h. weitere Akteur*innen sind dazu eingeladen, sich dem Netzwerk anzuschließen und inhaltlich an der Entwicklung und Umsetzung effektiver Präventionsstrategien und –maßnahmen mitzuwirken.

Das Netzwerk untergliedert sich organisatorisch in die „Arbeitsgemeinschaft“, die „Koordinierungsstelle“ und das „Fachgremium“. Darüber hinaus können sich weitere „Unterarbeitskreise“ gründen, die sich einer spezifischen Fragestellung oder Aufgabenstellung widmen.

Die Arbeitsgemeinschaft

Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich in regelmäßigen Abständen, um an der inhaltlichen, personellen und konzeptionellen Ausarbeitung des Netzwerkes zu arbeiten und wird diese auch immer wieder kritisch reflektieren sowie ggf. anpassen. Die Moderation der Arbeitsgemeinschaft liegt in der Verantwortung der Koordinierungsstelle;  die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen bei allen beteiligten Akteur*innen. Neben der konzeptionellen Ausgestaltung des Netzwerkes steht auch der inhaltliche Austausch, sprich der Wissenstransfer zwischen den Akteur*innen, der Wissenserwerb durch externe Akteur*innen sowie die Perspektivübernahme im Blickpunkt der Arbeitsgemeinschaft. 

Die Koordinierungsstelle

Die „Koordinierungsstelle“ des Hildesheimer Netzwerkes für Radikalisierungsprävention ist im Allgemeinen dafür verantwortlich, die Kommunikation innerhalb des Netzwerkes zu garantieren und gleichzeitig gemeinsame Aktivitäten zu strukturieren und zu koordinieren. Die Koordinierungsstelle ist bei der Service- und Beratungsstelle radius angesiedelt und wird durch die Mitarbeiter*innen personell ausgefüllt. 

Zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle gehören:

  • Netzwerkpartner*innen zu regelmäßigen Netzwerktreffen einzuladen und diese vorzubereiten sowie den Austausch zwischen Landes- und Lokalebenen zu garantieren (Netzwerkpflege) 
  • Ergebnisse aus der Netzwerkarbeit zu dokumentieren und sie dem Netzwerk sowie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (Monitoring) 
  • Synergieeffekte im Netzwerk auszumachen und Netzwerkpartner*innen themenbezogen zusammenzubringen (Koordination von Themenfeldern) 
  • Anfragen an das Netzwerk aufzunehmen, zu bearbeiten und ggf. an entsprechende Stellen weiterzuvermitteln (Koordination von Maßnahmen) 
  • Ansprechpartner für potenzielle Neu-Mitglieder des Netzwerkes zu sein (Kontaktaufnahme) 
  • Abfrage von Bedarfen in Stadt- und Landkreis Hildesheim im Themenkomplex durchzuführen (Bedarfsanalyse vor Ort)

Fachgremium Radikalisierungsprävention

Das Fachgremium grenzt sich von der „Arbeitsgemeinschaft“ des Hildesheimer Netzwerks für Radikalisierungsprävention durch seinen Aufgabenbereich „fachlicher Austausch“ ab.

Die Struktur beinhaltet zwei Bereiche, einen allgemeinen Teil und einen internen Teil. Im allgemeinen Teil werden aktuelle Informationen ausgetauscht und es wird an Themenschwerpunkten (z. B. Rückkehrer*innen Situation, Frauen und Kinder im IS, interdisziplinäre Zusammenarbeit usw.) gearbeitet. Im internen Teil werden unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen anonymisierte Fallbesprechungen durchgeführt sowie die möglichen Abläufe in Krisensituationen besprochen.

Die festen Teilnehmer des Fachgremiums Radikalisierungsprävention sind:

  • das Jugendamt – Erziehungshilfe – des Landkreises Hildesheim
  • die Präventionsstelle „Politisch Motivierte Kriminalität“ des LKA Niedersachsen
  • das Fachkommissariat 4 Staatsschutz der Polizeiinspektion Hildesheim
  • die Beratungsstelle radius
  • die Ausländerstelle der Stadt Hildesheim 
  • das Amt für Migration und Integration – Ausländerbehörde – des Landkreises Hildesheim
  • die Niedersächsische Landesschulbehörde (NLSchB)

Der Unterarbeitskreis „AK Schule“

Aufgrund der Nachfrage an Präventionsangeboten von Schulen in Stadt und Landkreis Hildesheim im Bereich der Primär- und Sekundärprävention hat sich bereits der erste Unterarbeitskreis „AK Schule“ gegründet, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Bedarf an Schulen zu ermitteln und daraus abgeleitet konkrete Konzepte und Maßnahmen zu entwickeln.

Ziel ist es, die verschiedenen Präventionsangebote von Trägern vor Ort miteinander zu vernetzten, Möglichkeiten der Zusammenarbeit hervorzuheben und Angebote zu schaffen, die von Schulen in Stadt und Landkreis angefragt werden können. In der Entwicklung von gemeinsamen Präventionskonzepten und Präventionsmaßnahmen, die von interessierten Schulen über die Koordinierungsstelle angefragt werden können, bringen die jeweilig beteiligten Akteur*innen ihre fachlichen Kompetenzen ein.

Ein konkreter Bedarf seitens der Schulen kann über die Koordinierungsstelle an den „AK Schule“ geäußert werden, ebenso die Bereitschaft von Hildesheimer Akteur*innen zur regelmäßigen Teilnahme und Mitarbeit.

Koordination

radius
- Service- und Beratungsstelle gegen Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit
Bernwardstraße 11 (5. Etage)
31134 Hildesheim
Telefon: 0 51 21 - 703 43 90
radius(ät)caritas-hildesheim.de
www.radius-hildesheim.de

Gefördert wird RADIUS durch das Landes-Demokratiezentrum (LDZ) beim Landespräventionsrat Niedersachsen im Niedersächsischen Justizministerium sowie Stadt und Landkreis Hildesheim und das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung